Kurzgeschichten schreiben

Seit ich mich ernsthafter mit dem Schreiben beschäftige, bin ich auf der Suche nach Tipps und Inspirationen zum Schreiben. Immer wieder begegne ich den gleichen Strukturen und Mustern, wie man eine Geschichte planen und schreiben kann. Schneeflocken-Methode, 7-Punkte-Struktur, Heldenreise. Nur mir fehlte dabei immer das Persönliche. Ich wollte wissen, wie jeder Autor das für sich macht, ganz individuell. Besonders die Frage nach dem Wie der Überarbeitung trieb mich um. Erst nach und nach verstand ich, dass der ganze Schreibprozess als Einheit funktioniert und keine Phase von der anderen zu trennen ist, da alles aufeinander aufbaut; eben ein individueller Prozess ist - der sich immer wieder ändern kann und wird, je mehr man sich mit dem Schreiben beschäftigt und man auch tatsächlich schreibt.

 

Darum möchte ich euch auf meiner Reise mitnehmen und heute davon berichten, wie ich die Kurzgeschichte "Hippiesommer" erarbeitet und geschrieben, und in einem späteren Beitrag, wie ich sie überarbeitet habe.


Warum Kurzgeschichten? - Oder: Eigentlich schreibe ich keine Kurzgeschichten

Einen kleinen Disclaimer möchte ich vorab geben. Ich bin ein Mensch, der sehr gerne nach Bauchgefühl geht. Das heißt zwar, dass ich mir gewisse schreibtheoretische Mittel aneigne, aber dann doch mein eigenes Ding daraus mache. In den letzten Jahren bin ich vielen Meinungen zu Kurzgeschichten begegnet, nicht zuletzt auch in Rezensionen zu meinen eigenen Geschichten. Dort ging es vor allem um das Ende; einigen sei es zu offen und haben das bemängelt, andere fanden gerade das gut und fragten mich, wie die Geschichte weiterging, andere fragten gar nicht nach.

 

Da ich keine oder höchst selten Kurzgeschichten lese, weil sie mir eben einfach zu kurz sind und es schwer ist, an (für mich) gute heranzukommen, möchte ich eigentlich auch keine schreiben. Schon wieder das Wort eigentlich, dass ich eigentlich aus meinem Sprachgebrauch streichen wollte.

Nun gut, bisher habe ich also mehrere Kurzgeschichten geschrieben, viele davon sind eher ein Beginn einer Geschichte, der sich irgendwann im Nirgendwo verläuft. Zwei von ihnen habe ich bereits in den Anthologien des Schreibmeers veröffentlicht. (Hier könnt ihr sie mal anschauen.)

 

Die größte Schwäche an Kurzgeschichten ist gleichzeitig auch ihre größte Stärke: Die Kürze.

Besonders für mich als Autorin ist das eine tolle Sache, denn so kann ich in kleinem Rahmen alle Phasen, die fürs Schreiben von Geschichten notwendig sind, üben und somit herausfinden, wie ich arbeite. Da ich nicht oft Kurzgeschichten schreibe, kann ich sehr deutlich erkennen, wie viele Fortschritte ich in den letzten Jahren gemacht habe. Mein Schreibstil verändert sich, wird mutiger. Obwohl ich vom Herzen her ein entdeckender Schreiber bin, weiß ich, wie gut es meinen Geschichten tut, mir vorher einen groben Plot auszuarbeiten, da er mir ein Zerpflücken der Geschichte im Nachhinein erspart. Besonders für Ungeduldige sehr zu empfehlen, die schnell Fortschritte sehen wollen. Viel zu oft bin ich schon an einer Geschichte verzweifelt, weil sie mich selbst gelangweilt hat, da sie keinen Spannungsbogen - oder nur einen sehr flachen - besessen hat.

Die Idee

Jede Geschichte, egal ob kurz oder lang, beginnt mit einer Idee. Der Funke, der alles ins Rollen bringt, wenn auch im Fall meiner Kurzgeschichten "Hippiesommer" oder "Carnivorenexpress" mit einigem, teilweise jahrelangen Vorlauf. Die meisten Inspirationen begegnen mir im Traum oder Halbschlaf und der Drang, etwas daraus zu machen, ist so groß, dass ich mir direkt nach dem Aufstehen kurz Notizen dazu mache. Manchmal ist es die konkrete Situation aus dem Traum, an die ich mich noch erinnern kann, oder es ist das Gefühl, das ich mit der Idee verbinde. Übrigens ist meine Idee zu "Mermaid" auch in einem Traum gekommen. Die Szene musste ich aber um einiges entschärfen, da sonst definitiv kein Jugendbuch daraus werden würde.

 

Habe ich die Idee festgehalten, vergesse ich sie meistens wieder oder sie schwirrt mir im Hinterkopf herum. Bei "Carnivorenexpress" circa zwei Jahre, bis ich einen Anlass dafür bekommen habe - eben die Veröffentlichung in der Anthologie. Dann war die Geschichte wieder da und ich wusste, jetzt ist der richtige Zeitpunkt, sie aufzuschreiben.

Die Inspirations- und Planungsphase

Bei "Hippiesommer" ist das Thema direkt klar gewesen, die Idee für den Titel kam mir in der Inspirationsphase. Da ich sehr gerne mit Musik schreibe, weil sie mich in die richtige Schreibstimmung versetzt, habe ich mir auf Spotify eine Playlist zusammengestellt, die genau das Gefühl vermittelt, das ich beim Schreiben haben möchte. Das Besondere bei dieser Geschichte ist, dass ich das erste Mal bewusst Lieder mit Songtexten herausgesucht habe, die mich in der Regel eher ablenken, als den Schreibprozess zu unterstützen.

Mittlerweile ist die Liste auf über zwei Stunden angewachsen und sie ist nicht nur super zum Schreiben gewesen, sondern versetzt mich einfach nur in sommerlich gute Laune. Hier kannst du mal reinhören.

Ich lasse mich auch gern von Bildern inspirieren, daher ist die nächste Station - natürlich mit der laufenden Playlist - Pinterest. Dort habe ich Bilder gesammelt, die zur Stimmung passen, aber auch, um mir eine Vorstellung meiner Protagonistin zu machen. Die Pinwand könnt ihr euch hier anschauen. Beim Schreiben bin ich dann immer wieder hierhin zurück, um ein klareres Bild vor Augen zu haben, zum Beispiel von dem Auto, das die Protagonistin fährt. Wie es sich anfühlt, weiß ich ja selbst. Vielleicht kommt ihr ja auch drauf, warum ...

 

Die Planung ist bei meinen Geschichten recht einfach gehalten. Bei Kurzgeschichten achte ich darauf, dass es ganz klassich eine Einleitung, einen Mittelteil und ein Ende gibt, wobei das in den allermeisten Fällen ein offenes ist. Ich mag es einfach, wenn ich dem Leser selbst überlassen kann, sich weitere Gedanken zur Handlung oder auch über die Botschaft zu machen. Neben der Struktur ist das übrigens ein weiterer wichtiger Punkt in meinen Kurzgeschichten: Entweder es gibt ein Gefühl oder ein Geheimnis, das auf einer wahren Begebenheit beruht, wie bei "Carnivorenexpress", bei dem der Leser sich selbst überlegen kann, was wirklich geschehen sein kann, oder eben eine Botschaft oder ein Thema wie in "Hippiesommer", das mir persönlich auch besonders am Herzen liegt.

Habe ich mir das Gefühl oder die Botschaft überlegt, bzw. meistens ist es unterschwellig schon da, ich muss es nur noch greifen, dann versuche ich die Spannung nach der Struktur von den drei Teilen ansteigen zu lassen. In "Carnivorenexpress" war es Darjas Suche nach ihrem Freund, bei der die Konfrontation mit ihrer größten Angst unvermeidlich wird, bei "Hippiesommer" ist es eine verbale Auseinandersetzung zwischen den Charakteren, die sich zuspitzt.

Bleiben noch die Namen der Charaktere. Für "Hippiesommer" habe ich mich einfach bei einem Namengenerator bedient, weil hier, im Gegensatz zu "Carnivorenexpress", nicht mal eine Tendenz für die Namen da war - kommt bei mir auch nicht so oft vor. Das tolle ist, dass ich bei der Suche verschiedene Einstellungen wie ungefähres Alter, das Geschlecht in Prozent, das Herkunftsland und das Land, in dem die Person lebt, einstellen konnte. Das Ergebnis war nicht nur ein Name, sondern auch das genaue Geburtsdatum, Größe und Gewicht, Adresse und sogar Kreditkartendaten, was ich sehr witzig fand.

Die Schreibphase

Der vermeintlich wichtigste Teil ist das Schreiben, dabei nimmt es aber weitaus weniger Raum als das Planen ein. Die Geschichte "Hippiesommer" habe ich in einem Rutsch runtergeschrieben, dabei die Playlist laufen lassen und immer mal wieder auf Pinterest vorbeigeschaut. Zwischendurch habe ich auch noch das eine oder andere Detail recherchiert, denn ganz von selbst ist mein Schreibstil sehr beschreibend, aber nicht langweilig, sondern eher unterhaltsam, geworden. Dabei ging es gar nicht um Kleinigkeiten über das Aussehen der Charaktere, sondern eher um prägnante Merkmale des Charakters, die sich in ihrem Äußeren spiegeln, wie zum Beispiel das Zimmer meiner Protagonistin aus "Hippiesommer". Ihre Augenfarbe habe ich zum Beispiel gar nicht erwähnt, weil sie nicht relevant für die Geschichte ist - und mal ehrlich, bei vier Charakteren ist es vielleicht noch machbar, aber bei einem größeren Cast kann sich niemand alle Augenfarben merken.

Der Soundtrack hat dafür gesorgt, dass ich gleichbleibend in richtig guter Stimmung war, die Inspirationen auf Pinterest und meine Fantasie haben den Rest zu dieser Geschichte beigetragen. Manche Gedanken meiner Protagonistin fand ich so witzig, dass ich sie direkt auf Twitter teilen musste. doch auch das hat mich überhaupt nicht aus dem Schreibfluss gebracht.


Mit circa 2.300 Wörtern ist die Rohfassung geschrieben und ich kann mich an die Überarbeitung setzen. Wie ich dort vorgehe, könnt ihr dann in einem der nächsten Beiträge hier lesen.

Kommentar schreiben

Kommentare: 1
  • #1

    Dani die Streichfeder (Donnerstag, 07 Juni 2018 20:37)

    Ein toller Beitrag, bitte mehr davon! Es ist interessant zu lesen wie andere an ihre Werke gehen. ( :